„Bei Pyro läuft die Fahndung im Nu, doch niemand findet den NSU“

24. April 2012

Die liebe @nick_f95 hatte mich kürzlich über Twitter auf die Idee gebracht, meine Anwesenheit in Düsseldorf mit einem Besuch des ehemaligen Rheinstadions (nach Neubau zuerst LTU-, inzwischen Esprit-Arena genannt, aber who cares?) zu verbinden. Gedacht, getan – zumal meine Lieblings-Zweitligamannschaft  1. FC Union Berlin zu Gast war. Zwar galt auch für mich: „Ich hätte mich gerne gefreut“ – wie die Kolleg_innen vom Textilvergehen ihren neuen, mal wieder vorzüglichen Podcast betitelt haben – über einen Sieg der Eisernen natürlich. Andererseits brauchte die Fortuna die Punkte dringender und auch mir wäre ein Aufsteiger aus Düsseldorf allemal lieber als einer aus Paderborn. Das dachten sich wohl auch „Tusche“ und Co. und stellten nach dem Seitenwechsel das Spiel nach vorn ein, wodurch der 1:2-Pausenrückstand nicht mehr wettzumachen war.

Unioner in Düsseldorf

Unioner in Düsseldorf. (c) André Anchuelo

Anders als die Textilvergeher_innen finde ich aber die Düsseldorfer Arena absolut okay. Von außen sieht sie sicherlich aus wie eine billig hingepappte Messehalle (von solchen ist sie ja auch umgeben), aber der Innenraum macht durchaus Eindruck. Das gilt auch für den Support des Düsseldorfer Anhangs  – von meinem Platz aus konnte ich sowohl Fortunen als auch Unioner hören und das nicht gerade leise. Standesgemäß, weil im eigenen Stadion, machten die Heimfans natürlich mehr Lärm – auf einem Pegel, der durchaus mit dem in der Alten Försterei oder bei Dynamo Dresden vergleichbar war. 33.637 Zuschauer_innen sind in Liga 2 auch nicht gerade alltäglich. Albern, da hat „Textilvergehen“ sicher recht, sind die bunten Sitze, die im Fernsehen leere Ränge als voll erscheinen lassen sollen. Sie stammen allerdings noch aus einer Zeit, als die Fortuna noch von der Rückkehr in die 2. Liga kaum zu träumen wagte und das Stadion tatsächlich meist ziemlich leer war. Immerhin wurde vor einiger Zeit die Forderung der Fans erfüllt, Stehplätze einzurichten. Vielleicht wäre ja für F95 die mögliche Rückkehr ins Oberhaus ein guter Anlass, die Bestuhlung in ein adäquates Rot-Weiß mit Fortuna-Logo zu ändern?!

Noch lieber sähe ich in der 1. Liga natürlich den FC St. Pauli. Wer angesichts der Vorfälle am Rande des Spiels gegen den FC Hansa aus Rostock vom vergangenen Spieltag jetzt gleich schreit, dort gebe es zu viele Chaoten und die wolle man nicht in der Bundesliga haben, sollte sich lieber erstmal intensiver damit beschäftigen, was dort wirklich passiert ist und welche dubiose Rolle die Hamburger Polizei dabei gespielt hat. Die Kolleg_innen von Publikative.org haben das dankenswerterweise getan – einfach mal nachlesen! Im Vorfeld schrieben sie:

Die Hamburger Polizeiführung hat mit ihrem Verbot des Verkaufs von Eintrittskarten an Fans von Hansa Rostock exakt die Situation heraufbeschworen, vor der das Verbot die Öffentlichkeit vermeintlich schützen sollte. Angesichts der vermutlich bevorstehenden Ausschreitungen muss betont werden, wie gefährlich dieser Vorgang für unsere Vorstellung von öffentlichem Raum in einer Demokratie insgesamt ist – jenseits von Fußball und Gewalt. [weiterlesen]

und in der Nachbetrachtung:

Die Hamburger Polizei hat bekommen, was sie angeblich verhindern wollte: Eine Straßenschlacht, jede Menge Aufmerksamkeit in ihrem Sinne durch eine willfährige Lokalpresse und zahlreiche “Argumente”, künftig noch härter durchzugreifen. Wir fragen uns dagegen: Was sollte dieser Polizeieinsatz? [weiterlesen]

Fortuna-Pyro in Dresden

Fortuna-Pyro in Dresden. (c) André Anchuelo

Wenn man sich das alles so ansieht und dann im Gegensatz dazu betrachtet, was im Thüringer Landtag beim Untersuchungsausschuss zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) derzeit so alles ans Licht kommt und was außerdem nicht ans Licht kommt (bzw. kommen soll), erscheint ein Transpi, das ich am Sonntag in der Düsseldorfer Kurve sah, leider so gar nicht an den Haaren herbeigezogen. Die Ultras schrieben drauf:

Bei Pyro läuft die Fahndung im Nu, doch niemand findet den NSU

Christina Büttner von der Opferberatungsstelle „esra“ diagnostizierte im Thüringer Untersuchungsausschuss zum Thema NSU: „Es würde heute nicht anders laufen. Noch hat sich gar nichts geändert.“

Dass dies genauso für Berlin gelten kann, zeigt der polizeiliche Umgang mit tödlichen Schüssen auf Migranten in Neukölln.

Advertisements

Meine Ostfußball-Premiere

20. Juli 2011

EinigEnergie Cottbuse haben es schon mitbekommen: Seit Beginn dieser Saison bin ich als Zweitliga-Reporter für Bundesliga.de unterwegs. Was bei meinem ersten Einsatz, der Partie FC Energie Cottbus gegen Dynamo Dresden, Dynamo Dresdenherausgekommen ist, können Freund_innen des gepflegten Zweitligafußballs auf Bundesliga.de nachlesen:

Für die politisch Korrekten: Die „Sturm-Abteilung“ wurde mir reinredigiert… Für die Freund_innen der dritten Halbzeit: Trotz Einstufung als „Hochrisikospiel“ blieb alles friedlich, nicht einmal ‚Pyros‘ gab es im Stadion der Freundschaft. Ich kam zeitgleich mit dem Dynamo-Mannschaftsbus an und muss angesichts des Empfangs durch die FCE-Fans sagen: Da haben beispielsweise die Spieler von Eintracht Frankfurt vergangene Saison Schlimmeres von ihren eigenen Fans zu hören bekommen…

Nächste Woche geht es dann weiter mit meiner Premiere im Stadion an der Alten Försterei (Union Berlin vs. Greuther Fürth) sowie dem nächsten Duell zweier Teams aus der ehemaligen DDR (Aufsteiger Dynamo Dresden empfängt Mitaufsteiger Hansa Rostock) – in einem Fußballstadion mit dem unglaublich geschickt gewählten Namen „Glücksgas-Stadion“.

Stadion der Freundschaft

Der Wellblechpalast erstrahlt im Derbyglanz. Foto: André Anchuelo (c)


%d Bloggern gefällt das: